Wie aus Angst eine Angststörung wird
Geschrieben von Renato Götschmann · Zuletzt aktualisiert
Angst ist normal – bis sie das Leben bestimmt
Jeder Mensch hat Angst. Sie gehört zu unserem Schutzsystem und hat uns als Menschheit überleben lassen. Von einer Angststörung spricht man erst, wenn die Angst deutlich stärker, häufiger oder länger auftritt, als es die Situation erklärt, und wenn sie dein Leben einschränkt: wenn du Orte meidest, Pläne absagst oder dein Tag sich mehr um die Angst dreht als um dich.
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Wenn du davon betroffen bist, bist du also alles andere als allein – auch wenn es sich oft genau so anfühlt.
Das Fass-Modell
Fachleute beschreiben die Entstehung oft mit einem einfachen Bild: einem Fass. Jeder Mensch bringt eine gewisse Grundfüllung mit – zum Beispiel eine Veranlagung, sensibler auf Körpersignale oder Stress zu reagieren. Im Laufe des Lebens kommen weitere Dinge dazu: anhaltender Druck bei der Arbeit, Konflikte, Verluste, Krankheit, wenig Schlaf, viel Koffein oder Alkohol.
Lange Zeit merkst du davon vielleicht nichts. Doch irgendwann reicht ein kleiner zusätzlicher Tropfen, und das Fass läuft über. Die erste Panikattacke kommt dann oft scheinbar aus dem Nichts – obwohl sich vorher schon viel angesammelt hat.
Warum das eine gute Nachricht ist
Wenn viele Faktoren zusammenspielen, heisst das auch: Du kannst an vielen Stellen ansetzen. Du musst nicht jede Ursache finden, um dich besser zu fühlen. Schon weniger Stress, besserer Schlaf oder ein neuer Umgang mit Körpersignalen können den Pegel im Fass senken.
Das Wichtigste
- Eine Angststörung entsteht meist aus mehreren Faktoren zusammen.
- Veranlagung, Stress und Lebensumstände füllen das «Fass».
- Du kannst an vielen Stellen ansetzen, um den Pegel zu senken.
Verwandte Artikel
Nächster Artikel
Weit bietet Information und Selbsthilfe und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.