Renato Götschmann

Renato Götschmann

Gründer von Weit

Meine Geschichte

Im Jahr 2009 erlebte meine Familie einen schweren medizinischen Notfall. Am nächsten Tag begann meine Lehre, und genau in dieser Zeit kamen die ersten Panikattacken, scheinbar aus dem Nichts und mit einer Wucht, die ich bis dahin nicht kannte.

In den folgenden zwei Jahren wurde mein Leben immer kleiner. Ich habe stark zugenommen, mich von Freunden zurückgezogen, konnte nicht mehr arbeiten und schaffte es irgendwann nicht einmal mehr bis zum Briefkasten. Ich war bei Ärzten und Psychologen und nahm mehrmals täglich ein Beruhigungsmittel, bis ich das Haus ohne es gar nicht mehr verlassen konnte.

Der Wendepunkt kam bei einem Arzttermin, als mir klar gesagt wurde, dass ich mit dreissig einen Herzinfarkt riskiere, wenn sich nichts ändert. Dieser Satz hat mich wachgerüttelt. Ich begann, alles zu lernen, was ich über den Körper, die Psyche und die Ernährung finden konnte, und baute mir daraus mein eigenes Programm: jeden Tag einen Schritt weiter als am Tag davor.

Ich sagte mir immer wieder: Das ist Panik, ich kenne sie, und ich bin nicht allein, denn um mich herum sind Menschen, und Hilfe ist erreichbar. Anfangs trug ich das Medikament noch als Sicherheit in der Tasche. Ich begann, täglich Sport zu machen und mich gesünder zu ernähren, und verlor über die nächsten Jahre Kilo um Kilo. Irgendwann ging ich ohne Medikament hinaus und überstand eine Panikattacke nach der anderen, bis sie seltener wurden und schliesslich ausblieben, weil mein Körper gelernt hatte, dass diese Situationen nicht gefährlich sind.

2014 habe ich mich entschieden, eine Ausbildung im Gesundheitsbereich zu beginnen, also genau in dem Feld, das mir einst so viel Angst gemacht hatte.

Mit demselben System habe ich mir auch das Reisen zurückgeholt: zuerst buchen, dann der Weg zum Flughafen, dann ins Flugzeug, dann der Flug und schliesslich ein neuer Ort. Schritt für Schritt habe ich ausprobiert, gelernt und bin weitergegangen, denn ich hatte mir gesagt: Ich habe nur ein Leben, und es zu Hause zu verbringen, wäre zu traurig.

Genau deshalb gibt es Weit. Therapieplätze sind knapp und oft teuer, und nicht jeder findet sofort die richtige Unterstützung. Ich möchte, dass niemand so lange allein suchen muss wie ich damals und dass der Weg zurück ins Leben bezahlbar bleibt oder sogar kostenlos ist. Weit ist kein Heilversprechen und ersetzt keine Behandlung. Es ist das, was ich mir damals gewünscht hätte: verständliches Wissen, Hilfe im akuten Moment und ein Weg, Schritt für Schritt.

Wenn du selbst Medikamente nimmst, ändere daran bitte nichts ohne ärztliche Begleitung.