Warum Vermeiden die Angst wachsen lässt
Geschrieben von Renato Götschmann · Zuletzt aktualisiert
Die Falle der Erleichterung
Wenn etwas Angst macht, ist es völlig verständlich, es zu meiden. Du nimmst nicht mehr den Zug, gehst später einkaufen, wenn es leer ist, oder sagst das Treffen ab. Und es funktioniert – kurzfristig. Die Angst sinkt, du fühlst dich erleichtert.
Genau diese Erleichterung ist die Falle. Dein Gehirn lernt: «Das war gefährlich, gut, dass wir weg sind.» Beim nächsten Mal ist die Angst etwas grösser, und das Vermeiden fällt noch leichter.
Wie die Welt kleiner wird
Oft bleibt es nicht bei einem Ort. Aus dem Zug wird der Bus, aus dem Bus der Laden, aus dem Laden der Weg zum Briefkasten. Viele Menschen mit Angst erleben, wie ihr Leben Stück für Stück kleiner wird – nicht, weil sie schwach sind, sondern weil Vermeidung genau so funktioniert.
Dazu kommen oft sogenannte Sicherheitsverhalten: immer eine Wasserflasche dabeihaben, nur mit Begleitung gehen, sich an den Ausgang setzen. Sie fühlen sich hilfreich an, verhindern aber, dass du erlebst: Ich schaffe das auch ohne.
Der Weg zurück
Die gute Nachricht: Was gelernt wurde, kann auch neu gelernt werden. Wenn du dich Schritt für Schritt wieder den Situationen näherst – in deinem Tempo, mit kleinen Stufen – erlebt dein Gehirn, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt. Genau darauf baut «Mein Weg» auf.
Das Wichtigste
- Vermeiden lindert die Angst nur kurzfristig.
- Langfristig wird die Angst grösser und das Leben kleiner.
- Schrittweises Annähern hilft dem Gehirn, neu zu lernen.
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Weit bietet Information und Selbsthilfe und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.